Archiv für März 2012

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Ja, ich habe mir heute erst das große Finale der Harry Potter – Saga angeschaut. Diese Kritik soll aber nicht nur den letzten Teil sondern auch die vorher gehenden Kapitel beleuchten.

Ich war ein Harry Schotter Späteinsteiger. Erst der Trailer zum fünften Film (Orden des Phoenix) zog mich so in den Bann, daß ich ins Kino wollte und dazu natürlich erst die vier Filme davor anschauen musste. Richtig eingefangen wurde ich mit dem dritten Teil „HP und der Gefangene von Askaban“, bei dem ich das erste Mal das Gefühl hatte, einen HP – Film / eine Handlung für Erwachsene zu sehen.
Daraufhin wurden alle Bücher verschlungen inkl. des siebten Buches, das es damals noch nicht im Deutschen gab. Während mich die ersten sechs Bücher jede Sekunde fesselten, musste ich beim letzten Band eine ermüdende Langatmigkeit feststellen. Damals dachte ich: „Perfekt für die Verfilmung! Man kann die Hälfte weg lassen ohne daß es auffällt!“ Da schwante mir nichts Gutes, als der letzte Teil auf zwei Filme verteilt werden sollte…

An den Potter-Büchern begeisterte mich immer die faszinierende Welt, die J.K. Rowling erschaffen hatte und die Emotionalität, die viele der Protagonisten auszeichnete. Den ersten sechs Filmen gelang es so gut wie eben bei einer Verfilmung möglich, dies auf die Leinwand zu retten. Umso fremdartiger wirkt der letzte Teil auf mich.

Bereits im ersten Teil des Finales wirkte die Harry Potter – Welt sehr fremd auf mich. Optik und Stimmung wurden völlig verändert. Zudem übernahm der Film die größte Schwäche des Buches: Unendlich langweilige Szenen ohne jegliche Entwicklung während der Flucht der drei Hauptdarsteller und der Suche nach den Horcruxen. Der erste Teil des Finales hätte mit einer Länge von 10 Minuten den wirklich wichtigen Inhalt vermitteln können.
Da keimte bei mir zumindest die Hoffnung auf, daß dafür der zweite Teil die Handlung richtig straff voran treiben würde. OK, das tat er wirklich. Nur dummerweise blieb der letzte Rest von Charme dabei auf der Strecke.
Nahezu alle Nebendarsteller wurden beiseite gelassen. Ralph Fiennes bot zwar wieder einen herrlich diabolischen Voldemort, doch die Handlung konzentrierte sich fast ausschließlich auf das Trio Harry, Hermine und Ron. Eine Actionszene reihte sich an die andere, der grandiose Alan Rickman, der mit Prof. Snape DIE tragische Figur der gesamten Reihe spielte, wurde mit ein paar Sätzen verheizt. Als dann noch die Schlacht um Mittelerde…Verzeihung…um Hogwarts entbrannte, verabschiedete ich meine Hoffnung auf ein würdiges filmisches Finale. Es wurde gestorben, verbrannt, zermalmt und es juckte niemanden. Nicht einmal eine Minute war es dem Film wert, den Tod von über sieben Filme aufgebauten Charakteren zu bedauern. Schnitt, Musik lauter und weiter ging’s. Bereits nach einer Stunde konnte man spüren, daß den Machern die Zeit davon lief, wo doch noch so viel zu erzählen war.

Dem siebten Buch war es gelungen, mich in der zweiten Hälfte wieder einzufangen. Die Geschichte wurde emotional, tragisch und doch sehr schön zu Ende gebracht. Im Film konnte dann nicht einmal die Abschluss-Szene nach dem Zeitsprung überzeugen. Man braucht ja nicht gleich mit grauen Haaren und Krückstock übertreiben, aber man hätte sich doch ein wenig Mühe geben können, die Darsteller per Maske um 19 Jahre altern zu lassen. So wirkte alles ein wenig lächerlich – wie Kinder, die Mama und Papa spielen.

Zum Abschluss stelle ich fest, daß diese Kritik in einem Verriss geendet hat. Trotzdem war die Harry Potter Filmreihe ein Höhepunkt des modernen Kinos, dem leider das grandiose Finale verwehrt blieb. Mit dem fünften Teil war der Höhepunkt erreicht.

Schön war es trotzdem. „All was well“

Wikipedia

Der Trailer ist auch beim letzten Teil sehr gut geworden:

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Machete

Ja, ich hab’s normalerweise nicht so mit übertriebener Gewalt. Dem Charme von Machete konnte ich mich allerdings nicht entziehen.

Danny Trejo ist optisch ja schon ein Knaller. Bis zu „Machete“ durfte er jedoch stets nur markante Nebenrollen spielen und ich hätte ihm eine echte Hauptrolle auch nicht zugetraut. Mit „Machete“ konnte er mich vom Gegenteil überzeugen!
Es gelingt ihm hervorragend, mit seiner doch beschränkten Mimik sogar humorvolle Szenen aufzuwerten. Ein Arnold Schwarzenegger wurde mit diesem Prinzip ein Weltstar.

Die Besetzung der Nebenrollen liest sich wie die Wunschliste vieler Hollywood-Regisseure: Allen voran Robert DeNiro, dem man in jeder Minute ansieht, was für einen tierischen Spass er mit der Rolle des kotzbrockigen und machtgeilen Senators hatte. Optische Leckerbissen sind natürlich Jessica Alba, Michelle Rodriguez und Lindsay Lohan, der ich nach den ganzen Drogenexzessen keine so tolle Figur mehr zugetraut hätte (ja, es gibt Nacktszenen).
Und ich muss mich hier nun outen: Ich bin ein Steven Seagal – Fan! Die meisten seiner Film sind ohne Zweifel Müll aber er hat einfach einen gewissen Charme. Und in Machete dürfte er allein für seine Todesszene auf sein Gehalt verzichtet haben! Von seinem absurden mexikanischen Akzent ganz zu schweigen!
Nur Don Johnson kommt für meinen Geschmack etwas zu kurz und bleibt recht farblos. Da hätte ich mir mehr gewünscht.
Allerdings sei darauf hingewiesen, daß die deutsche Synchronisation schon fast körperliche Schmerzen verursacht, wenn man das Original zuerst gesehen hat. Wie so oft, eine klare Empfehlung, den Film im Originalton anzuschauen. Speziell Danny Trejo ist nicht gebührend synchronisierbar!

Natürlich wird bei Machete gemetzelt was die Effekteabteilung her gibt. Ich war trotzdem positiv überrascht über die teilweise vorhandene Zurückhaltung. Es gibt eklige Szenen, kranke Ideen, provokante Blasphemie und Gewaltverherrlichung – keine Frage – aber Robert Rodriguez hat es verstanden, dies nicht als Dauerfeuer auf den Zuschauer einprasseln zu lassen.Trotzdem ist die FSK18-Einstufung absolut gerechtfertigt.

Vor allem möchte ich den Film dafür loben, nicht einfach nur als tumber Actionspass angesiedelt zu sein. Er funktioniert in Teilen ebenso als Satire auf amerikanischen Wahlkampf und sogar als Drama über die amerikanische Einwanderungspolitik an der Grenze zu Mexiko. Und diesen Satz meine ich wirklich Ernst!

Das Finale erlaubt problemlos eine Fortsetzung und vielleicht sehen wir Danny Trejo ja mal wieder in „Machete Kills“. Ich freue mich darauf!

Wikipedia

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Wer früher stirbt ist länger tot

Ja, der bayerische Heimatfilm gehört nicht wirklich zu meinen Kinofavoriten. Jahrelang habe ich daher den Abräumer des Jahres 2006 vor mir her geschoben.

Bei aller moderner Inszenierung und Absurdität ist „Wer früher stirbt ist länger tot“ aber auf jeden Fall ein Heimatfilm. Und was für ein Heimatfilm das ist!
Wer bisher den britischen Humor als tiefschwarz ansah, wird von diesem Film überzeugt werden, daß der bayerische Humor hier mindestens mithalten kann. Sehr oft bleibt einem das Lachen im Halse stecken oder man wird gezwungen von Fassungslosigkeit zu vor Lachen tränenden Augen zu schwenken.

Der 11-jährige Sebastian lebt in der bayerischen Provinz mit seinem Vater und seinem Bruder. Die Mutter ist bei Sebastians Geburt gestorben. Die absurde Ausgangssituation des Films ist, daß Sebastian sich schuldig u.a. für den Tod der Mutter fühlt und daher Angst vor dem Fegefeuer hat. Aus diesem Grund möchte er nie sterben müssen und sucht Wege zur Unsterblichkeit. Mit diesem Ziel führt er die Zuschauer zu den haarsträubendsten Situationen, da der kleine Sebastian die leichtfertigen Ratschläge des dörflichen Stammtisches oft zu wörtlich nimmt.

Speziell der Auswahl des Hauptdarstellers gebührt mein Lob. Der österreichische (!) Markus Krojer spielt den Sebastian mit einer Selbstverständlichkeit und Coolness, daß es eine Freude ist. Mit steinerner Mimik werden Hasen gesprengt, Katzen ersäuft und die Lehrerin zum „Vögeln“ aufgefordert. Den bayerischen Dialekt scheint er perfekt imitiert zu haben, wobei ich bei fast allen Darstellern öfters das Problem hatte, wirklich alle Sätze zu verstehen.

Insgesamt ist der Film eine klare Empfehlung von mir. Man darf jedoch nicht zu empfindlich sein. Auch ich als Katzenliebhaber musste schlucken, als Sebastian die sieben Leben einer Katze „überprüfte“.

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