Archiv für September 2012

Garden State

Ja, Zach Braff ist als JD in „Scrubs“ einfach grandios. Umso gespannter war ich, wie sein Drehbuch- und Regiedebüt, in dem er auch die Hauptrolle spielt, bei mir ankommen würde. Es vergingen jetzt dann aber doch einige Monate, bis ich mich der BluRay widmete.

New Jersey als Handlungsort wird in den USA als Garden State bezeichnet. Hierhin kehrt der Protagonist Andrew nach neun Jahren zurück, als seine Mutter überraschend verstirbt.
Während er versucht, seinem Vater aus dem Weg zu gehen, trifft er seine alten Schulfreunde und lernt die ungewöhnliche Samantha kennen und lieben.

Der komplette Handlungsstrang des Films wirkt sehr dünn, doch scheint die Priorität von Braff viel stärker auf Bildern und Dialogen zu liegen. Ein visuelles Kunstwerk ist ihm auf jeden Fall gelungen.
Man sollte, sofern das überhaupt möglich ist, dem Film ohne jegliche Erwartung entgegen treten. Das Drehbuch umschifft nahezu alle Klischees und jede Erwartungshaltung des Publikums. Die Erzählweise ist extrem langsam und mit skurrilen Einfällen im Minutentakt gespickt.
Natürlich lebt der Film von seinen tollen Darstellern. Neben Zach Braff spielen Natalie Portman, Peter Sarsgaard und Ian Holm die Hauptrollen – und wie man in den Extras erfährt ohne eine Gage erhalten zu haben! Da kein Studio den Film produzieren wollte, hatte Braff nicht mal drei Millionen Dollar und eine Drehpause bei „Scrubs“ von 25 Tagen zur Verfügung!

Dafür ist ihm ein besonderer Film gelungen, für den man aber unbedingt in entspannter bzw. melancholischer Stimmung sein sollte. Der Soundtrack ist hervorragend ausgewählt, doch das Drehbuch ist nicht leicht zu konsumieren und entfaltet wohl auch erst beim zweiten Mal die volle Wirkung.
Ich werde den Film auf jeden Fall noch ein weiteres Mal anschauen.

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Thor

Ja, nach dem „Captain America“-Desaster tat ich mir schwer, einem weiteren Avenger eine Chance zu geben. Die anzunehmende Qualität der Darsteller und ein Hauch von Nostalgie (hab als Kind die Thor-Comics gelesen) brachten mich dazu, die BluRay zu kaufen.

Meine grösste Sorge war, daß ein hammerwerfender Kraftprotz heutzutage sehr lächerlich wirken könnte. Gerade bei „Captain America“ konnte man sehen, daß nicht alle Marvel-Helden noch in der heutigen Zeit funktionieren. Zu meiner grossen Überraschung war dies das kleinste Problem des Films, bzw. sogar richtig cool inszeniert!
Viel problematischer war, daß weder Regisseur noch Drehbuchautoren eine fesselnde Handlung zusammenhalten konnten!
Die erste halbe Stunde war das langweiligste Stück Kino der letzten Jahre. Die Optik völlig überdreht (weil’s der Programmierer halt cool fand), die Handlungsweise der Protagonisten kaum nachvollziehbar und mal wieder eine hektisch geschnittene Schlacht um Mittelerde, äh, irgendeinen drecksdunklen Planeten. Unter modernem und innovativem Blockbusterkino stelle ich mir was anderes vor.

Bei der Ankunft Thors auf der Erde blitzt kurz das wahre Potential der Handlung auf. Plötzlich ist da Humor im Spiel, die Kollision zweier Welten wird angedeutet und man glaubt, nun haben alle die Kurve gekriegt. Doch alles wird der nächsten Actionszene untergeordnet und innerhalb von zehn Minuten fühlt sich ein ausserirdischer Gott auf der Erde des 21. Jahrhunderts wie zu Hause.
Das Drehbuch basiert auf einer Story von J. Michael Straczynski, dem Produzenten und Autoren von „Babylon 5“. Weitere grosse Namen wie Regisseur Kenneth Branagh, Darsteller Natalie Portman, Anthony Hopkins, Stellan Skarsgard und Rene Russo boten eine grosse Chance, wirkten jedoch völlig unterfordert. Mit Chris Hemsworth ist die Rolle des Thor sogar perfekt besetzt! Aber die tollen Darsteller scheinen nur Füllwerk zwischen den mit CGI vollgepfropften Actionszenen zu sein. So wird dem Film jegliche Seele ausgetrieben.
Geradezu dämlich wirkt jedoch Thors Gegenspieler Loki, dessen Auftritt mich an einen nervtötendenTeenie erinnerte, der sich trotzig zwei Kuhhörner auf den Kopf genagelt hat. Und dies ist der Böse im grossen „Avengers“-Abräumer? Mir schwant nichts Gutes.

Spätestens nach Sichtung der geschnittenen Szenen wurde mir klar, daß „Thor“ unter dem Nemesis-Virus krankte. Auch beim zehnten Star Trek Film wurden zahllose Charakterepisoden herausgeschnitten, um das Tempo zu erhöhen. Genau dies war auch hier der Fall. Was bringt Tempo ohne Anteilnahme?

„Thor“ hätte ein grandioser Actionfilm werden können. Leider fiel die Kreativität den CGI-Szenen zum Opfer. An den Kinokassen war er trotzdem ein Erfolg. Hoffen wir, daß der bereits geplante „Thor 2“ mehr zu bieten hat.

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Harry Brown

Ja, da habe ich mich heute an eine BluRay gewagt, die schon länger bei mir im Regal schlummerte, da ich nie in Stimmung war, mich mit der vermuteten Kontroverse der Geschichte auseinander zu setzen. Nun war es endlich soweit.

Die Geschichte handelt von Harry Brown, einem frisch verwitweten Rentner, der in einem sozialen Brennpunkt von London lebt. Als junger Mann war er lange als Elitesoldat in Nordirland stationiert, wandte sich dann jedoch von Gewalt und Kampf ab, als er seine Frau kennenlernte.
Sein Viertel wird von einer Strassengang drangsaliert, die im Laufe des Films Harrys letzten Kumpel zu Tode prügelt, weil er sich wehren wollte. Harry sinnt auf Rache und beginnt mit voller Gewalt zurück zu schlagen.

Das hört sich erst mal nach einer klassischen „Ein Mann sieht rot“-Handlung an. Ist es vom Grundprinzip her auch, jedoch sehr modern und sehr britisch umgesetzt. Speziell die erste Hälfte des Films hinterlässt einen fast dokumentarischen Eindruck über den Zustand mancher großstädtischen Brennpunkte.
Auch wenn auf zu sehr visualisierte Gewalt zu meinem Glück verzichtet wurde, zeigt Regisseur Daniel Barber sehr kalt die alltägliche Gewalt auf der Strasse. Kalt ist auch der beste Begriff für die Darstellung der Stadt. London ist hier eine graue, graffitiverschmierte Betonwüste, die überall kurz vor dem Zerfall zu stehen scheint.

Wie nicht anders zu erwarten, dominiert Michael Caine den kompletten Film. Und damit hat der Film richtig Glück gehabt! Mit einem unspektakuläreren Hauptdarsteller wäre dieser britische Streifen in den B-Movie-Regalen verschwunden. Erst Michael Caine treibt mit seinem von Frustration gezeichneten Minenspiel den gesamten Film zu Höherem.
Ein grosses Problem bleibt jedoch nach dem Finale zurück: Die Botschaft des Drehbuchs!
Im ähnlich angesiedelten Gran Torino von Clint Eastwood wurde das Thema Selbstjustiz sehr intelligent im Rahmen der Notwehr bzw. ohne Anwendung von Gewalt verpackt. In „Harry Brown“ muss sich das Drehbuch von mir den Vorwurf der Verherrlichung von Selbstjustiz gefallen lassen! Speziell die letzten Sekunden des Films vermitteln visuell die Botschaft: „Nimm das Gesetz in die Hand und die Welt wird gut!“ Da haben es sich Drehbuchautor und Regisseur leider etwas zu leicht gemacht.

Trotzdem bleibt „Harry Brown“ ein sehr drastischer aber unterhaltsamer Film, der Michael Caine in seiner vollen Blüte zeigen kann. Allein das war den Kauf wert.

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