Harry Brown

Ja, da habe ich mich heute an eine BluRay gewagt, die schon länger bei mir im Regal schlummerte, da ich nie in Stimmung war, mich mit der vermuteten Kontroverse der Geschichte auseinander zu setzen. Nun war es endlich soweit.

Die Geschichte handelt von Harry Brown, einem frisch verwitweten Rentner, der in einem sozialen Brennpunkt von London lebt. Als junger Mann war er lange als Elitesoldat in Nordirland stationiert, wandte sich dann jedoch von Gewalt und Kampf ab, als er seine Frau kennenlernte.
Sein Viertel wird von einer Strassengang drangsaliert, die im Laufe des Films Harrys letzten Kumpel zu Tode prügelt, weil er sich wehren wollte. Harry sinnt auf Rache und beginnt mit voller Gewalt zurück zu schlagen.

Das hört sich erst mal nach einer klassischen „Ein Mann sieht rot“-Handlung an. Ist es vom Grundprinzip her auch, jedoch sehr modern und sehr britisch umgesetzt. Speziell die erste Hälfte des Films hinterlässt einen fast dokumentarischen Eindruck über den Zustand mancher großstädtischen Brennpunkte.
Auch wenn auf zu sehr visualisierte Gewalt zu meinem Glück verzichtet wurde, zeigt Regisseur Daniel Barber sehr kalt die alltägliche Gewalt auf der Strasse. Kalt ist auch der beste Begriff für die Darstellung der Stadt. London ist hier eine graue, graffitiverschmierte Betonwüste, die überall kurz vor dem Zerfall zu stehen scheint.

Wie nicht anders zu erwarten, dominiert Michael Caine den kompletten Film. Und damit hat der Film richtig Glück gehabt! Mit einem unspektakuläreren Hauptdarsteller wäre dieser britische Streifen in den B-Movie-Regalen verschwunden. Erst Michael Caine treibt mit seinem von Frustration gezeichneten Minenspiel den gesamten Film zu Höherem.
Ein grosses Problem bleibt jedoch nach dem Finale zurück: Die Botschaft des Drehbuchs!
Im ähnlich angesiedelten Gran Torino von Clint Eastwood wurde das Thema Selbstjustiz sehr intelligent im Rahmen der Notwehr bzw. ohne Anwendung von Gewalt verpackt. In „Harry Brown“ muss sich das Drehbuch von mir den Vorwurf der Verherrlichung von Selbstjustiz gefallen lassen! Speziell die letzten Sekunden des Films vermitteln visuell die Botschaft: „Nimm das Gesetz in die Hand und die Welt wird gut!“ Da haben es sich Drehbuchautor und Regisseur leider etwas zu leicht gemacht.

Trotzdem bleibt „Harry Brown“ ein sehr drastischer aber unterhaltsamer Film, der Michael Caine in seiner vollen Blüte zeigen kann. Allein das war den Kauf wert.

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