Thor

Ja, nach dem „Captain America“-Desaster tat ich mir schwer, einem weiteren Avenger eine Chance zu geben. Die anzunehmende Qualität der Darsteller und ein Hauch von Nostalgie (hab als Kind die Thor-Comics gelesen) brachten mich dazu, die BluRay zu kaufen.

Meine grösste Sorge war, daß ein hammerwerfender Kraftprotz heutzutage sehr lächerlich wirken könnte. Gerade bei „Captain America“ konnte man sehen, daß nicht alle Marvel-Helden noch in der heutigen Zeit funktionieren. Zu meiner grossen Überraschung war dies das kleinste Problem des Films, bzw. sogar richtig cool inszeniert!
Viel problematischer war, daß weder Regisseur noch Drehbuchautoren eine fesselnde Handlung zusammenhalten konnten!
Die erste halbe Stunde war das langweiligste Stück Kino der letzten Jahre. Die Optik völlig überdreht (weil’s der Programmierer halt cool fand), die Handlungsweise der Protagonisten kaum nachvollziehbar und mal wieder eine hektisch geschnittene Schlacht um Mittelerde, äh, irgendeinen drecksdunklen Planeten. Unter modernem und innovativem Blockbusterkino stelle ich mir was anderes vor.

Bei der Ankunft Thors auf der Erde blitzt kurz das wahre Potential der Handlung auf. Plötzlich ist da Humor im Spiel, die Kollision zweier Welten wird angedeutet und man glaubt, nun haben alle die Kurve gekriegt. Doch alles wird der nächsten Actionszene untergeordnet und innerhalb von zehn Minuten fühlt sich ein ausserirdischer Gott auf der Erde des 21. Jahrhunderts wie zu Hause.
Das Drehbuch basiert auf einer Story von J. Michael Straczynski, dem Produzenten und Autoren von „Babylon 5“. Weitere grosse Namen wie Regisseur Kenneth Branagh, Darsteller Natalie Portman, Anthony Hopkins, Stellan Skarsgard und Rene Russo boten eine grosse Chance, wirkten jedoch völlig unterfordert. Mit Chris Hemsworth ist die Rolle des Thor sogar perfekt besetzt! Aber die tollen Darsteller scheinen nur Füllwerk zwischen den mit CGI vollgepfropften Actionszenen zu sein. So wird dem Film jegliche Seele ausgetrieben.
Geradezu dämlich wirkt jedoch Thors Gegenspieler Loki, dessen Auftritt mich an einen nervtötendenTeenie erinnerte, der sich trotzig zwei Kuhhörner auf den Kopf genagelt hat. Und dies ist der Böse im grossen „Avengers“-Abräumer? Mir schwant nichts Gutes.

Spätestens nach Sichtung der geschnittenen Szenen wurde mir klar, daß „Thor“ unter dem Nemesis-Virus krankte. Auch beim zehnten Star Trek Film wurden zahllose Charakterepisoden herausgeschnitten, um das Tempo zu erhöhen. Genau dies war auch hier der Fall. Was bringt Tempo ohne Anteilnahme?

„Thor“ hätte ein grandioser Actionfilm werden können. Leider fiel die Kreativität den CGI-Szenen zum Opfer. An den Kinokassen war er trotzdem ein Erfolg. Hoffen wir, daß der bereits geplante „Thor 2“ mehr zu bieten hat.

Werbeanzeigen

, ,

  1. Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: