Archiv für Dezember 2016

Rogue One

Ja, seit Episode VII bin ich nicht mehr nur Star Wars Sympathisant, sondern ein echter Fan geworden.
Umso gespannter war ich jetzt natürlich auf den ersten Film des Franchises, der die Lücke zwischen Episode III und IV schließen soll.
…und er ist wahrlich nicht einfach nur ein Lückenfüller…

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Gleich mal vorab das Hauptmanko des Films (zumindest in Deutschland): Die Synchronisation ist eine einzige Frechheit! So eine lieblos hingerotzte Arbeit habe ich in einem Blockbuster noch nie erleben müssen!
Die Stimmen wirkten austauschbar und im Falle des viel zu kurzen Auftritts von Forest Whitaker geradezu lächerlich – ohne Vorwissen hätte ich eine Star Wars Parodie vermutet. Zum Glück hatte ich mich entweder irgendwann dran gewöhnt oder es wurde wirklich besser. Das werde ich nie herausfinden, da ich den Film nie wieder synchronisiert anschauen werde.

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Nun aber zum eigentlichen Film:
Die exakte Spieldauer beträgt 133 Minuten  – die gefühlte Dauer beträgt eine gute halbe Stunde! Hui, das war pralles temporeiches Actionkino des 21. Jahrhunderts!
Das Drehbuch fackelte nicht lange. Ohne großartiges Vorgeplänkel wurde man sofort mitten rein in die Geschichte geworfen und das war gut so. Das ganze politische Drumherum des Star Wars Universums sollte bekannt sein und bei wem das nicht der Fall ist, dem kann es auch egal sein. Der Film wird trotzdem unterhalten.

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Visuell konnte der Film bei mir voll punkten. Grandiose Bilder von Sternzerstörern schwebend über antiken Städten, gefolgt von einer liebevoll ausgestatteten Rebellenbasis mit einigen bekannten Anblicken, ein gruselig reanimierter Peter Cushing auf dem selten so gigantisch wirkenden Todesstern und last but definitly not least ein atemberaubender Bodenkampf mit u.a. wunderschön inszenierten AT-ATs konnten mich alten Kinohasen noch ins Staunen versetzen.

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Auch die fast unveränderte Optik der Kostüme und Technik der 70er/80er wirkte absolut nicht deplatziert sondern sehr stimmig.

Die Darsteller waren hervorragend ausgewählt – doch leider fast ausschließlich bei den Nebenrollen. Der bereits erwähnte Forest Whitaker als nur kurz angedeuteter Rebelleneremit, Mads Mikkelsen als verzweifelter Erbauer des Todessterns, Ben Mendelsohn als vor Ehrgeiz zerfressener Director Crennic und Donnie Yen als evtl. einziger Jedi des Films konnten mich begeistern – zumindest was man durch die lausige Synchro hindurch erahnen konnte…
Doch warum wurde ein Großteil dieser grandiosen Darsteller regelrecht verheizt? Teilweise nur wenige Minuten Auftritt für Charaktere, von denen man gern mehr wissen wollte!
Und warum machte man sich bei den Hauptdarstellern (sind ja nicht ganz unwichtig für einen Film) und dem Auftreten ihrer Charaktere nicht die gleiche Mühe?
Felicity Jones war entweder total unter- oder überfordert. Darüber muss ich mir nach Sichtung des Films im Original noch klar werden. So wirkte sie austauschbar und als zigfach gesehenes traumatisiertes rebellisches Gör ohne Werte, das ratzfatz zur Rebellion überläuft.
An Captain Cassion Andor kann ich mich jetzt schon zwei Stunden nach dem Film kaum noch erinnern. Kaum Daseinsberechtigung und wurde vom ehemals imperialen Droiden K2SO glatt an die Wand gespielt. Dieser sorgte für einige der wenigen Momente zum Schmunzeln in dem ansonsten eher düsteren Film

Nun zur Story:
Das Grundgerüst der Geschichte war sehr interessant. Endlich wurde erklärt, warum der Todesstern aus Episode IV so eine riesige Schwachstelle hatte.
Jo…das war eigentlich die wichtigste Neuheit für die Saga! Wie die Baupläne des Todessterns zu den Rebellen kamen? Ok, das hat mich nicht so gejuckt.
Aber das Zusammenfinden der rebellierenden Rebellen (!) war unterhaltsam und teilweise witzig geschrieben. Auch war die Mischung der Charaktere sehr gut gewählt.
Aber musste man sie wirklich alle massakrieren? Also wirklich alle!!!
Das war schon eine schwere Kröte für mich zu schlucken, da dies im SW-Universum doch recht ungewohnt war. Es hat aber natürlich schon zur Story des Films gepasst – und natürlich auch dazu, dass keiner der Charaktere in den chronologisch nachfolgenden Filmen auftaucht.

Für mich sehr versöhnlich war dann das letztendliche Finale auf dem Rebellen-Zerstörer. Als erstmals im Film ein Lichtschwert (natürlich von Darth Vader) die Dunkelheit durchschnitt, bekam ich Gänsehaut. Und die nahezu direkte Anbindung an die Ausgangssequenz von Episode IV, sowohl storytechnisch wie auch optisch war ein genialer Kniff in die emotionale filmische Trickkiste, der mich begeistern konnte.

Wie ihr sehen könnt, bin ich hin und her gerissen bei meiner Kritik. Eine endgültige Meinung kann ich mir wohl erst nach dem nächsten Mal Anschauen bilden.
Rogue One ist auf jeden Fall ein Film, der mich erst mal überrollt und beeindruckt hat und der nachwirkt. Das kann ich wahrlich nicht von vielen Filmen behaupten.
Und es war einfach wieder schön, wie schon bei Episode VII, so viele altbekannte Landschaften, Schiffe, Klänge und Kreaturen zu sehen.

Dann lassen wir mal Episode VIII kommen!

 

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