Archiv für die Kategorie 2000-09

Garden State

Ja, Zach Braff ist als JD in „Scrubs“ einfach grandios. Umso gespannter war ich, wie sein Drehbuch- und Regiedebüt, in dem er auch die Hauptrolle spielt, bei mir ankommen würde. Es vergingen jetzt dann aber doch einige Monate, bis ich mich der BluRay widmete.

New Jersey als Handlungsort wird in den USA als Garden State bezeichnet. Hierhin kehrt der Protagonist Andrew nach neun Jahren zurück, als seine Mutter überraschend verstirbt.
Während er versucht, seinem Vater aus dem Weg zu gehen, trifft er seine alten Schulfreunde und lernt die ungewöhnliche Samantha kennen und lieben.

Der komplette Handlungsstrang des Films wirkt sehr dünn, doch scheint die Priorität von Braff viel stärker auf Bildern und Dialogen zu liegen. Ein visuelles Kunstwerk ist ihm auf jeden Fall gelungen.
Man sollte, sofern das überhaupt möglich ist, dem Film ohne jegliche Erwartung entgegen treten. Das Drehbuch umschifft nahezu alle Klischees und jede Erwartungshaltung des Publikums. Die Erzählweise ist extrem langsam und mit skurrilen Einfällen im Minutentakt gespickt.
Natürlich lebt der Film von seinen tollen Darstellern. Neben Zach Braff spielen Natalie Portman, Peter Sarsgaard und Ian Holm die Hauptrollen – und wie man in den Extras erfährt ohne eine Gage erhalten zu haben! Da kein Studio den Film produzieren wollte, hatte Braff nicht mal drei Millionen Dollar und eine Drehpause bei „Scrubs“ von 25 Tagen zur Verfügung!

Dafür ist ihm ein besonderer Film gelungen, für den man aber unbedingt in entspannter bzw. melancholischer Stimmung sein sollte. Der Soundtrack ist hervorragend ausgewählt, doch das Drehbuch ist nicht leicht zu konsumieren und entfaltet wohl auch erst beim zweiten Mal die volle Wirkung.
Ich werde den Film auf jeden Fall noch ein weiteres Mal anschauen.

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Harry Brown

Ja, da habe ich mich heute an eine BluRay gewagt, die schon länger bei mir im Regal schlummerte, da ich nie in Stimmung war, mich mit der vermuteten Kontroverse der Geschichte auseinander zu setzen. Nun war es endlich soweit.

Die Geschichte handelt von Harry Brown, einem frisch verwitweten Rentner, der in einem sozialen Brennpunkt von London lebt. Als junger Mann war er lange als Elitesoldat in Nordirland stationiert, wandte sich dann jedoch von Gewalt und Kampf ab, als er seine Frau kennenlernte.
Sein Viertel wird von einer Strassengang drangsaliert, die im Laufe des Films Harrys letzten Kumpel zu Tode prügelt, weil er sich wehren wollte. Harry sinnt auf Rache und beginnt mit voller Gewalt zurück zu schlagen.

Das hört sich erst mal nach einer klassischen „Ein Mann sieht rot“-Handlung an. Ist es vom Grundprinzip her auch, jedoch sehr modern und sehr britisch umgesetzt. Speziell die erste Hälfte des Films hinterlässt einen fast dokumentarischen Eindruck über den Zustand mancher großstädtischen Brennpunkte.
Auch wenn auf zu sehr visualisierte Gewalt zu meinem Glück verzichtet wurde, zeigt Regisseur Daniel Barber sehr kalt die alltägliche Gewalt auf der Strasse. Kalt ist auch der beste Begriff für die Darstellung der Stadt. London ist hier eine graue, graffitiverschmierte Betonwüste, die überall kurz vor dem Zerfall zu stehen scheint.

Wie nicht anders zu erwarten, dominiert Michael Caine den kompletten Film. Und damit hat der Film richtig Glück gehabt! Mit einem unspektakuläreren Hauptdarsteller wäre dieser britische Streifen in den B-Movie-Regalen verschwunden. Erst Michael Caine treibt mit seinem von Frustration gezeichneten Minenspiel den gesamten Film zu Höherem.
Ein grosses Problem bleibt jedoch nach dem Finale zurück: Die Botschaft des Drehbuchs!
Im ähnlich angesiedelten Gran Torino von Clint Eastwood wurde das Thema Selbstjustiz sehr intelligent im Rahmen der Notwehr bzw. ohne Anwendung von Gewalt verpackt. In „Harry Brown“ muss sich das Drehbuch von mir den Vorwurf der Verherrlichung von Selbstjustiz gefallen lassen! Speziell die letzten Sekunden des Films vermitteln visuell die Botschaft: „Nimm das Gesetz in die Hand und die Welt wird gut!“ Da haben es sich Drehbuchautor und Regisseur leider etwas zu leicht gemacht.

Trotzdem bleibt „Harry Brown“ ein sehr drastischer aber unterhaltsamer Film, der Michael Caine in seiner vollen Blüte zeigen kann. Allein das war den Kauf wert.

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The Prestige – Die Meister der Magie

Ja, manchmal dauert es bei mir auch bei hochgelobten Filmen etwas länger, bis ich sie mir anschaue. Gestern Abend war dann endlich „The Prestige“ von Batman-Regisseur Christopher Nolan fällig.

Viele Jahre hatte ich schon immer wieder mal kurze Ausschnitte des Films gesehen, die mich sehr neugierig machten aber tlw. auch abschreckten. Erst als ich wenige Szenen von Hugh Jackman mit David Bowie als Nikola Tesla sah, wusste ich, daß ich diesen Film irgendwann anschauen muss.

Gestern Abend war also endlich die BluRay fällig. Und ich wurde nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil!

Der nahezu lebenslange Wettstreit zweier Magier in der Zeit um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts wusste von den ersten Minuten an zu faszinieren. Eine meiner Sorgen, daß der Extremschauspieler Christian Bale einen zu grossen Kontrast zum eher klassischen Darsteller Hugh Jackman bilden würde, erwies sich als belanglos. Die beiden waren perfekt ausgewählt für ihre Rollen.

Visuell ist der Film von Christopher Nolans Bildsprache geprägt, deren optische Wucht fast permanent auf den Zuschauer eintrommelt, so wie er es auch in seinen Batman-Filmen und „Inception“ zeigen konnte. Alle diese Filme verbindet ein extrem markanter Stil in der Art der Ausstattung und der Auswahl der Locations. Faszinierend ist auch, daß der Film keinem Genre zuzuordnen ist. Mal ist er Historiendrama, mal Mystery-Krimi und dann zum Teil sogar Science Fiction. Doch das ist schon fast zu viel Information, ohne eine Menge zu verraten.

Der Auftritt von David Bowie als Nikola Tesla in der Mitte des Film ist wie von mir erwartet ein Highlight, sowohl vom Darstellerischen (obwohl er den kroatischen Akzent nicht gut kopiert) als auch vom Fortschritt der Handlung. Es war sehr schön, den alten Knochen mal wieder in einer tollen Filmrolle zu sehen.

Die restlichen tragenden Rollen sind mit Michael Caine und Scarlett Johannson sehr gut und glaubwürdig besetzt. Gerade Michael Caine zeigt mit seinem Alterswerk einen sehr guten Geschmack bei der Drehbuchauswahl.

Während des gesamten Films dürfte dem Zuschauer klar sein, daß er auf ein „überraschendes“ Finale zusteuern dürfte.
Doch dieser Ausdruck würde dem Filmende nicht gerecht. Nolan gelingt es, über die letzte Viertelstunde einen Handlungsknaller nach dem anderen abzufeuern. Ich hatte in der zweiten Hälfte, wie wahrscheinlich so viele, auch ein paar Theorien über die Auflösung im Kopf – ich war aber immer nur nah dran.

Und die letzten 15 Minuten machen in diesem Fall aus einem ungewöhnlichen aber sehr unterhaltsamen Film ein Meisterwerk der Filmgeschichte, das beim zweiten Anschauen nicht mehr der selbe Film sein wird!

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Wer früher stirbt ist länger tot

Ja, der bayerische Heimatfilm gehört nicht wirklich zu meinen Kinofavoriten. Jahrelang habe ich daher den Abräumer des Jahres 2006 vor mir her geschoben.

Bei aller moderner Inszenierung und Absurdität ist „Wer früher stirbt ist länger tot“ aber auf jeden Fall ein Heimatfilm. Und was für ein Heimatfilm das ist!
Wer bisher den britischen Humor als tiefschwarz ansah, wird von diesem Film überzeugt werden, daß der bayerische Humor hier mindestens mithalten kann. Sehr oft bleibt einem das Lachen im Halse stecken oder man wird gezwungen von Fassungslosigkeit zu vor Lachen tränenden Augen zu schwenken.

Der 11-jährige Sebastian lebt in der bayerischen Provinz mit seinem Vater und seinem Bruder. Die Mutter ist bei Sebastians Geburt gestorben. Die absurde Ausgangssituation des Films ist, daß Sebastian sich schuldig u.a. für den Tod der Mutter fühlt und daher Angst vor dem Fegefeuer hat. Aus diesem Grund möchte er nie sterben müssen und sucht Wege zur Unsterblichkeit. Mit diesem Ziel führt er die Zuschauer zu den haarsträubendsten Situationen, da der kleine Sebastian die leichtfertigen Ratschläge des dörflichen Stammtisches oft zu wörtlich nimmt.

Speziell der Auswahl des Hauptdarstellers gebührt mein Lob. Der österreichische (!) Markus Krojer spielt den Sebastian mit einer Selbstverständlichkeit und Coolness, daß es eine Freude ist. Mit steinerner Mimik werden Hasen gesprengt, Katzen ersäuft und die Lehrerin zum „Vögeln“ aufgefordert. Den bayerischen Dialekt scheint er perfekt imitiert zu haben, wobei ich bei fast allen Darstellern öfters das Problem hatte, wirklich alle Sätze zu verstehen.

Insgesamt ist der Film eine klare Empfehlung von mir. Man darf jedoch nicht zu empfindlich sein. Auch ich als Katzenliebhaber musste schlucken, als Sebastian die sieben Leben einer Katze „überprüfte“.

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Rocky Balboa

Ja, ich stehe total auf die Rocky-Filme. Ich gehöre sogar zu denen, die den vierten Teil toll finden (USA gegen UdSSR). Umso nervöser war ich damals, als mit „Rocky Balboa“ der sechste Teil der Saga in die Kinos kam.

Der fünfte Teil der Reihe war langweiliger Käse, der verdient gewaltig floppte. Umso mutiger war es von Sly, die alten Knochen 15 Jahre später nochmal in den Boxring zu tragen und auch gleich wieder Drehbuch und Regie zu übernehmen.

Ich will es kurz machen: „Rocky Balboa“ ist für mich der Höhepunkt der gesamten Rocky-Saga! Sylvester Stallone gelingt das unglaubliche Meisterstück seiner Figur mehr Tiefe zu verleihen, als in sämtlichen Filmen davor zusammen. Zudem spielt er glücklicherweise mit seinem fortgeschrittenen Alter und verfällt keinem peinlichen Jugendwahn.
Sämtliche Rollen sind gut besetzt, einzig sein Gegner Mason Dixon bleibt etwas blass, dabei ist mit Antonio Tarver erstmals ein echter Box-Weltmeister besetzt – aber eben kein begnadeter Schauspieler. Dies kann dem Film jedoch kaum schaden, denn der eigentliche Boxkampf wird hier zur Nebensächlichkeit degradiert – es geht einzig und allein um den ausgemusterten Champion, der mit seiner Vergangenheit abschliessen möchte. Dabei zeigt Sly schauspielerische Höhenflüge, die ich ihm nicht zugetraut hätte.

Natürlich fragt man sich permanent, wie Stallone den Boxkampf und damit die Saga des Underdogs zum Ende führen wird. Hier bestand natürlich die Gefahr, jeglichen Realismus in den Wind zu schiessen. Aber auch hier wird echte Grösse gezeigt und allein für die letzten 5 Minuten und den Abspann gehört dieser Film zu meinen absoluten All-Time-Favorites!

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Salt

Ja, ich bin kein grosser Fan von Angelina Jolie. Sie wirkt auf mich oft sehr arrogant und auch optisch ist sie mir mittlerweile viel zu dürr. Trotzdem hat der Trailer zu „Salt“ mein Interesse geweckt und so habe ich heute bei der BluRay zugeschlagen und den Film auch gleich im Director’s Cut vernascht.

Die Vorabinformationen lassen einen klassischen Actionthriller erwarten, in dem die Hauptdarstellerin beweisen muss, daß sie kein russischer Schläfer ist. Doch weit gefehlt!
Mehrfach während des Films bleibt man als Zuschauer baff zurück, angesichts des Mutes der Autoren. Auch der evtl. erwartete „No Way Out“-Effekt ist falsch geraten. Die Handlung lebt fast ausschliesslich von den überraschenden Wendungen und Entscheidungen des Hauptcharakters. Nicht alles ist einfach zu schlucken und auch mangelnder Realismus bei Verfolgungsjagden (die Seuche des modernen Kinos) muss hingenommen werden.

Trotzdem konnte der Film mich fesseln und auch Angelina hat sehr gut zu der Rolle gepasst. Selten konnte ich so schlecht die weitere Entwicklung des Drehbuchs vorhersehen. Auch das Finale lässt noch sehr viel offen und ein Sequel ist erfreulicherweise für 2012 in Planung.

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Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit

Ja, ich liebe Geschichten mit Zeitreisen! Eine Bruckheimer-Produktion unter der Regie von Tony Scott stellt hier erwartungsgemäß eine gewisse Herausforderung dar.

Ein ATF-Agent versucht in New Orleans einen Terroristen zu finden, der eine Fähre mit über 500 Menschen in die Luft gejagt hat. Hierbei stösst er auf eine Spezialeinheit des FBI, die viereinhalb Tage in die Vergangenheit sehen kann.

Soweit schon mal vorab: Tony Scott und Jerry Bruckheimer sind die Meister der visuellen Ästhetik. Der Film ist durchzogen von Zeitlupen, Rotbraunfiltern und schwarzen Hubschraubern knapp über dem Boden. Man kann zudem von Glück für den Film sprechen, daß sich die Drehbuchschreiber nicht ganz auf den SciFi-Effekt der Handlung verlassen. Denn bei nahezu allem, das sich um die Zeitreisedetails dreht, muss man als Zuschauer einfach auf irgendwas Stabiles beissen und es über sich ergehen lassen.
Ein Wurmloch, das den Raum faltet…OK, kann man mit leben – aber was hat das mit Zeitreise zu tun? Ein Laserpointer, der auf ein Display gerichtet in die Vergangenheit strahlt…OK, Augen zu und durch. Ein wahnsinnskomplizierter und energieaufwändiger Vorgang lässt die Jungs gerade mal ein paar Tage in die Vergangenheit schauen ohne Aufzeichnungsmöglichkeit – und dann kann man plötzlich den ganzen Burschen zurück schicken…OK, Augen zu und durch. Man könnte hier noch so einiges aufzählen.

Jetzt könnte man meinen, der Film wäre totaler Käse. Ich muss jedoch gestehen, daß er mich auch beim zweiten Mal immer noch gefesselt hat. Der Südstaatenflair von New Orleans gerade nach Katrina verleiht dem Film eine ungewöhnliche Note und auch Denzel Washington spielt routiniert den Ermittler mit scharfem Verstand. Die Effekte sind klasse und zurückhaltend eingesetzt. Die Geschichte kann mit mehreren Wendungen und einem Finale überraschen, das einen wirklich am Sessel kleben lässt.
Auch die Szene mit der „mobilen Einheit“ habe ich intellektuell noch nicht verarbeiten können, es war jedoch richtig fetzig, wie der Hauptcharakter durch die Strassen New Orleans brettert, mit dem Verkehr der Vergangenheit auf dem einen Auge – coole Idee, ohne viel Wissenschaft dahinter.

„Déjà Vu“ ist ein Film, der in Erinnerung bleibt, jedoch noch so viel mehr sein könnte, wenn man etwas mehr Wert auf die Logik gelegt hätte. So ist es „nur“ ein fesselnder Thriller mit SciFi-Elementen und wunderschönen Bildern.

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