Archiv für die Kategorie Komödie

Sommer in Orange

Ja, das ist jetzt schon die zweite bayerische Komödie bei mir innerhalb kürzester Zeit! Und sie ist auch wieder von Marcus H. Rosenmüller, dem Regisseur von „Wer früher stirbt ist länger tot„.

Der Film von 2011 spielt in einem fiktiven bayerischen Dorf, in dem im Jahr 1980 eine Gruppe Bhagwan-Anhänger einen alten Bauernhof erbt und dort einzieht.

Es gelingt dem Regisseur und den Darstellern wunderbar, die Gegensätze und Schrulligkeiten beider Seiten zu zeigen, ohne diese in die Lächerlichkeit zu ziehen – auch wenn man hin und wieder gerade mal noch die Kurve kriegt. Das Interessante war für mich, daß mir manchmal die eingefahrenen Traditionen der bayerischen Ureinwohner befremdlicher vor kamen, als die Rituale der abgehobenen Hippie-Übrigbleibsel!
Leider fehlt dem Film die Bissigkeit und der schwarze Humor seines Vorgängers. Nur in ganz wenigen richtig frechen Szenen zeigt sich, wozu der Regisseur imstande ist. Der restliche Film ist aber trotzdem amüsant und tlw. auch sehr aufschlussreich über die Stimmung im Deutschland der Endsiebziger/Achtziger.
Da die Autorin des Films selbst in einer bayerischen Bhagwan-Kommune aufgewachsen ist, fürchte ich, daß das meiste Gezeigte der Realität entsprach.

Die BluRay ist erwartungsgemäß qualitativ einwandfrei und mit zahlreichen Extras wie geschnittenen Szenen, Outtakes, Making-Of und einer Doku über die stets markante Musik in den Rosenmüller-Filmen ausgestattet. Witzig ist auch die Option der Hochdeutsch-Untertitelung für die bayerischen Sequenzen – war bei mir aber nicht nötig.

Wikipedia

Werbeanzeigen

,

Hinterlasse einen Kommentar

The Blues Brothers

Ja, das ist ein echter Kultfilm der 80er, den ich mir heute auf BluRay angeschaut habe. Ich war sehr gespannt, wie der Film nach bestimmt 15 Jahren auf mich wirken würde.

Ich konnte feststellen, daß der Film mit dem Alter an Attraktivität gewinnt. Damit meine ich nicht das Alter des Films sondern mein eigenes Alter. So langsam kennt man jeden Gaststar, der in dem über zweistündigen Werk von Dan Aykroyd und John Landis einen noch so kurzen Auftritt absolviert. Und auch die Musik rückt mir langsam näher.
Von der DVD-Variante habe ich schon viel Schlechtes gelesen. Die BluRay kann ich problemlos empfehlen. Für einen Film dieses Alters sind Bild- und Tonqualität einwandfrei aufbereitet worden. Als Bonusmaterial gibt es ein sehr ausführliches Making Of, eine Doku über die Musik und eine über den früh verstorbenen John Belushi.

Optimalerweise geniesst man den Film bei einem gemütlichen Abend mit Freunden in Partylaune. Eine tiefsinnige Analyse der Story, um die Brüder Blues, die ihre alte Band zusammen trommeln, um ihr altes Waisenhaus zu retten, landet zwangsläufig in zahllosen Logiklöchern. Darum geht es bei „The Blues Brothers“ aber auch gar nicht.
Der Film war Höhepunkt eines Blues Brothers – Hypes, der 1977 mit der Show „Saturday Night Live“ seinen Anfang nahm. Hier traten Dan Aykroyd und John Belushi mehrfach als Elwood und Jake Blues auf. Eher als Gag gedacht war dann der Auftritt als Vorgruppe von Steve Martin. Das daraus entstandene Livealbum wurde in den USA ein Riesenhit und die Band ging auf Tour. Ende der 70er entwickelte dann Dan Aykroyd das Drehbuch zum Film, das John Landis dann verfilmte.

Der Film hat 1980 ca. 27 Mio. $ gekostet. Das war damals eine richtig ordentliche Summe in Hollywood und ist dem Film in den Actionszenen deutlich anzusehen. Es wurde weder an Material noch an Statisten gespart. Trotzdem steht über die komplette Handlung hinweg rein der Spass im Vordergrund. Der Spass an Musik, der Spass an Slapstick und vor allem zum Finale hin der Spass an automobilen Materialschlachten. Die musikalischen und cineastischen Gaststars (Ray Charles, James Brown, Aretha Franklin, Carrie Fisher uvm.) werten den Film zusätzlich auf.

Und endlich habe ich beim Finale Steven Spielberg in seiner kleinen Rolle erkannt…

Wikipedia

, ,

Hinterlasse einen Kommentar

Iron Sky

Ja, selten habe ich einem Film so entgegen gefiebert wie „Iron Sky“. Doch konnte der Film die Erwartungshaltung des angeheizten Publikums befriedigen?

Von der Marketingseite wurde nahezu alles richtig gemacht, was man heutzutage nur richtig machen kann. Seit zwei Jahren bekam der interessierte Internetnutzer immer wieder Häppchen des Werks serviert, die Berlinale wurde aufgemischt und auf Facebook brachten die zahlreichen Trailer die Server stets zum Qualmen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, meine Erwartungen wurden nahezu voll erfüllt.

Allein die Grundidee, daß die Nazis 1945 mit „Reichsflugscheiben“ auf den Mond flüchten konnten und gute 70 Jahre später zum Angriff auf die Erde blasen ist so genial und mutig, daß dies schon fast genügt, einen Riesenspass zu haben. Doch der finnische Regisseur Timo Vuorensola schafft es tatsächlich, mit dem Film eine so ätzende Generalabrechnung mit der US-amerikanischen Politik zu schaffen, daß dem Film höchstwahrscheinlich der Erfolg in Amerika verbaut sein dürfte.
Bei einem Budget von 7,5 Mio. Euro (!) dürfte das jedoch zu verschmerzen sein. Bei aktuellen Hollywood-Blockbustern wird mit dieser Summe der Vorspann entwickelt, die finnisch-deutsch-australische Co-Produktion bringt damit den SciFi-, Humor- und Effektekracher des Jahres auf die Leinwand!

Geradezu entfesselt treiben die Iron Sky – Macher den amerikanischen Wahlkampf, alte Nazi-Legenden, US-Klischees und bekannte SciFi-Handlungsmuster auf die satirische Spitze. Getragen wird dies alles von Effekten, die absolut auf Höhe der Zeit sind und einem sehr gut ausgewählten Ensemble deutscher und amerikanischer Schauspieler. Während Hauptdarstellerin Julia Dietze („1 1/2 Ritter“) für ihre Rolle der schnuckeligen und zuerst naiven Nazibraut noch der Automatik-Schauspielmodus genügt, lässt es Götz Otto („Der Morgen stirbt nie“, „Schindlers Liste“) als durchgeknallter Obernazi richtig krachen! Schade war nur, daß Udo Kier als „Mondführer“ Kortzfleisch fast ein wenig zu kurz kam.
Dies ist auch einer der wenigen Negativpunkte des Films. Ich hatte öfters das Gefühl, daß bei einzelnen Handlungssträngen noch so viel mehr möglich gewesen wäre, bzw. daß der Film schlichtweg mit 90 Minuten viel zu kurz ist. Auch der spektakuläre Nazi-Grosszerstörer „Götterdämmerung“ mit seiner skurrilen Steampunk-Optik, wurde zum Finale hin etwas hastig abgefertigt.

Fazit: Man merkt dem Film seinen fanbasierten Hintergrund im Positiven wie im Negativen an. Auch wenn die Handlung oft noch etwas hätte weiter gehen können, halten die grandiosen, charmanten und wahnwitzigen Ideen stets den Puls des Zuschauers im oberen Bereich.
Auf jeden Fall sollte man das Ende des Abspanns abwarten – zumindest wenn man wissen möchte, in welche Richtung die Handlung der bereits geplanten Fortsetzung gehen dürfte! Egal, wie viele konservative Kritiker diesen Film und seine Handlung in der Luft zerreissen – Iron Sky wird DER Kultstreifen der SciFi-Gemeinde werden.

Und ja, „Der grosse Diktator“ hat 125 Minuten Länge.

Wikipedia (Vorsicht, hier wird die komplette Handlung beschrieben!)

Trailer:

Die ersten vier Minuten des Films:

Ein Kommentar

Wer früher stirbt ist länger tot

Ja, der bayerische Heimatfilm gehört nicht wirklich zu meinen Kinofavoriten. Jahrelang habe ich daher den Abräumer des Jahres 2006 vor mir her geschoben.

Bei aller moderner Inszenierung und Absurdität ist „Wer früher stirbt ist länger tot“ aber auf jeden Fall ein Heimatfilm. Und was für ein Heimatfilm das ist!
Wer bisher den britischen Humor als tiefschwarz ansah, wird von diesem Film überzeugt werden, daß der bayerische Humor hier mindestens mithalten kann. Sehr oft bleibt einem das Lachen im Halse stecken oder man wird gezwungen von Fassungslosigkeit zu vor Lachen tränenden Augen zu schwenken.

Der 11-jährige Sebastian lebt in der bayerischen Provinz mit seinem Vater und seinem Bruder. Die Mutter ist bei Sebastians Geburt gestorben. Die absurde Ausgangssituation des Films ist, daß Sebastian sich schuldig u.a. für den Tod der Mutter fühlt und daher Angst vor dem Fegefeuer hat. Aus diesem Grund möchte er nie sterben müssen und sucht Wege zur Unsterblichkeit. Mit diesem Ziel führt er die Zuschauer zu den haarsträubendsten Situationen, da der kleine Sebastian die leichtfertigen Ratschläge des dörflichen Stammtisches oft zu wörtlich nimmt.

Speziell der Auswahl des Hauptdarstellers gebührt mein Lob. Der österreichische (!) Markus Krojer spielt den Sebastian mit einer Selbstverständlichkeit und Coolness, daß es eine Freude ist. Mit steinerner Mimik werden Hasen gesprengt, Katzen ersäuft und die Lehrerin zum „Vögeln“ aufgefordert. Den bayerischen Dialekt scheint er perfekt imitiert zu haben, wobei ich bei fast allen Darstellern öfters das Problem hatte, wirklich alle Sätze zu verstehen.

Insgesamt ist der Film eine klare Empfehlung von mir. Man darf jedoch nicht zu empfindlich sein. Auch ich als Katzenliebhaber musste schlucken, als Sebastian die sieben Leben einer Katze „überprüfte“.

Ein Kommentar

Die Glücksritter (Trading Places)

Ja, ich mag den Eddie Murphy der 80er-Jahre in fast allen seinen Filmen. In „Die Glücksritter“ landet er mit seiner erst zweiten Hauptrolle gleich mal einen Oberknaller!

Das Drehbuch ist aktueller denn je: Zwei reiche alte Knacker wetten aus Langeweile darum, ob es Ihnen gelingt aus ihrem verhätschelten Schützling einen gewalttätigen Penner und aus einem ärmlichen Bettler einen erfolgreichen Geschäftsmann zu machen.

Dies ist einer der Filme, der bis in die letzte Nebenrolle grandios besetzt wurde. Eddie Murphy spielt hier noch in Bestform den im Herzen grundehrlichen Ganoven und Dan Aykroyd kann sich hier in zahllosen Szenen komödiantisch austoben. Die beiden „Alten“ Don Ameche und Ralph Bellamy haben sichtlich Spass an ihren Rollen. Speziell Don Ameche konnte in den 80ern noch weitere Hits wie die beiden „Cocoon“-Teile landen. Beide Darsteller und Charaktere tauchen erneut kurz als Cameo in „Der Prinz aus Zamunda“ auf.
Jamie Lee Curtis als liebenswerte Prostituierte zeigt sich hier noch ungewohnt „zeigefreudig“, ist aber nicht nur deswegen ein Schmankerl. Auch Denholm Elliot (Indy 1+3) als Butler Coleman kann mimisch so manche Szene aufwerten.

Der Film haut natürlich seine moralische Botschaft den Zuschauern mit dem grossen Hammer um die Ohren. Da an der gezeigten Willkürlichkeit des wirtschaftlichen Erfolgs aber sicherlich etwas dran ist, verzeiht man dies sehr gerne den Autoren. Alles in allem ist „Die Glücksritter“ eine schöne altmodische Komödie, mit ein paar kapitalismuskritischen Anflügen und tollen Darstellern!

, ,

Hinterlasse einen Kommentar

Love Actually (Tatsächlich…Liebe)

Ja, ich liebe Episodenfilme, die sich am Ende zusammenfügen. Und ich mag Schnulzen, Weihnachtsfilme, Hugh Grant, Bill Nighy, Keira Knightley, Liam Neeson, Alan Rickman und Colin Firth. Wie soll da eine objektive Bewertung dieses Films auch nur ansatzweise möglich sein?

Ich habe „Love Actually“ heute weiss Gott nicht zum ersten Mal gesehen. Er dürfte nach „Spione wie wir“ mein meist gesehener Film sein – zu Weihnachten ist er mittlerweile ein absolutes Muss.

Der Film ist nicht perfekt, doch Drehbuchautor/Regisseur Richard Curtis und das Who’s who der britischen Darstellerwelt sorgen dafür, daß einem dies völlig schnuppe ist! Ich würde die über 2 Stunden noch am objektivsten als populistisch beschreiben. Das Drehbuch möchte mit aller Gewalt die Wünsche des Zuschauers erfüllen – und ich liebe den Film dafür!
„Love Actually“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt teils sehr lebensnaher Episoden, unterbrochen von wunderbar überspitzten Szenen voll britischem Humor. Die Rolle seines Lebens liefert sicherlich Bill Nighy als alternder Rockstar Billy Mack. Er allein könnte einen Film tragen, doch hier ist er „nur“ das musikalische Bindeglied zahlreicher Episoden.
Eine grosse Überraschung ist Hugh Grant als Premierminister.  Er schafft es doch tatsächlich perfekt, seine stets wiederkehrende Rolle des liebenswerten Schussels glaubwürdig auf diese „seriöse“ Rolle zu übertragen.
Einer einzigen Episode gelingt es nicht, mich zu überzeugen. Die grandiose Laura Linney spielt darin die unglücklich in ihren Kollegen Verliebte, die sich aufopferungsvoll um ihren behinderten Bruder kümmert und dafür auf eine Beziehung verzichtet. In den Kanon des Films, daß Liebe überall zu finden ist, passt zwar diese Handlung sehr gut aber leider fehlt mir hier etwas. Das sehr komplexe Thema überfordert hier wohl schlichtweg den Zuschauer.
Die grosse Entdeckung des Films ist für mich Andrew Lincoln, dessen Charakter Mark die Hochzeit seines besten Freundes organisieren muss, obwohl er unsterblich in die Braut verliebt ist. Ein wahnsinnig cooler Auftritt, der völlig zurecht mit der Hauptrolle in „The Walking Dead“ belohnt wurde. A new star was born!

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen. Ein grandioses Ensemble britischer Darsteller wird unterstützt von kleinen Auftritten Rowan Atkinsons, Claudia Schiffers und Billy Bob Thorntons. Ein Soundtrack zum Verlieben ummalt jede einzelne Episode perfekt. „Love Actually“ ist für mich der grösste Liebesfilm aller Zeiten – in dem nicht ein einziges Mal der Satz „I love you“ fällt!

 

, , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Willkommen bei den Sch’tis

Ja, ich habe normalerweise so meine Probleme mit französischem Filmhumor. Auch die Tatsache, daß 20 Mio. Franzosen diesen Film zum erfolgreichsten aller Zeiten in Frankreich gemacht haben, konnte mein Misstrauen nur leicht abschwächen.

Die Geschichte des Postbeamten, der aus dem sonnigen Süden in die nordfranzösische Provinz versetzt wird, konnte mich jedoch nach den ersten irritierenden 15 Minuten schnell in ihren Bann ziehen.
Da mein Französisch mittlerweile doch sehr eingerostet ist (hüstl), habe ich den Film synchronisiert angesehen. Was hier geleistet wurde, grenzt an ein Meisterwerk! Für den Sch’ti-Dialekt wurde eine eigene Kunstsprache entwickelt und Gott sei Dank kein deutscher Dialekt zweckentfremdet. Die zahlreichen „Sch“- und Zischlaute erinnern zwar manchmal ein wenig ans Schwäbische, orientieren sich aber sehr dicht an den Eigenheiten des Ch’ti-Dialekts im französischen Original.

Dany Boon, in Personalunion Regisseur, Autor und Hauptdarsteller, gelingt es wunderbar, die Albernheiten zahlreicher französischer Komödien der letzten beiden Jahrzehnte hinter sich zu lassen. Über die komplette Länge des Films entwickelt er eine zunehmende Wärme und auch Ernsthaftigkeit. Dies alles wird durch ein großartiges Schauspielerensemble unterstützt.
Auch die deutschen Stimmen passen sehr gut. Sogar Christoph Maria Herbst wird sehr schnell als Dany Boons Stimme akzeptiert und Michael Lott als Stimme von Kad Merad ist für mich seit den Mark Brandis Hörspielen sowieso ein Ohrenschmaus.

Alles in allem ein weiterer wunderschöner moderner Höhepunkt des europäischen Kinos. Gut gemacht, Dany Boon!

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar